Welt 16.05.2026
15:56 Uhr

Ausnahmezustand in London – Zehntausende bei Rechtsextremisten-Demo und Palästinenser-Protest


In London finden zwei Demonstrationen parallel statt, zudem ein Fußballspiel. Das stellt die dortige Polizei vor große Herausforderungen. Unter anderem sind zehntausende Teilnehmer im Zuge einer Veranstaltung des Rechtsextremisten Tommy Robinson unterwegs.

Ausnahmezustand in London – Zehntausende bei Rechtsextremisten-Demo und Palästinenser-Protest

Zwei Großdemonstrationen und ein Pokalfinalspiel erfordern in der britischen Hauptstadt heute einen Großeinsatz der Polizei. Zehntausende Menschen sind am Samstag mit zwei verschiedenen Demonstrationen durch die Londoner Innenstadt gezogen. Schätzungen zufolge schlossen sich mehr als 60.000 Menschen einer Kundgebung des rechtsextremen Aktivisten Tommy Robinson an, wie der britische Nachrichtensender Sky News unter Berufung auf die Metropolitan Police berichtete. Bei einer propalästinensischen Demo zum Nakba-Tag gingen demnach etwa 20.000 Menschen auf die Straße. Zudem pilgerten Zehntausende Fußballfans zum Finale des FA-Cups im Wembley-Stadion zwischen den Premier-League-Clubs FC Chelsea und Manchester City. Die Londoner Polizei bot 4000 Beamte auf und sprach von ihrem größten Einsatz zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung seit Jahren. Ein hochrangiger Beamter der Metropolitan Police sprach laut „Guardian“ von einem beispiellosen Einsatz, der bis zu 4,5 Millionen Britische Pfund (etwa 5,16 Millionen Euro) kosten könne. Bis zum frühen Abend verliefen die Kundgebungen weitgehend friedlich. Scotland Yard zufolge kam es insgesamt zu 31 Festnahmen. Der britische Premierminister Keir Starmer hatte den Organisatoren des einwanderungsfeindlichen Marsches bereits am Freitag vorgeworfen, gezielt Hass und Spaltung zu verbreiten. Organisiert wurde dieser Protest von dem Anti-Islam-Aktivisten Stephen Yaxley-Lennon, auch bekannt als Tommy Robinson. Die Regierung in London hatte im Vorfeld elf Personen die Einreise nach Großbritannien verweigert, um Redebeiträge von ihnen zu verhindern. Das betrifft einem Medienbericht zufolge etwa den AfD-Europaabgeordneten Petr Bystron. Bystron wollte einem Bericht des Portals „ T-Online (verlinkt auf https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_101256106/afd-politiker-petr-bystron-wird-einreise-nach-grossbritannien-verweigert.html) “ zufolge ursprünglich am Samstag als Redner an der Robinson-Demo teilnehmen. Am Donnerstag jedoch teilte ihm die britische Visa- und Einwanderungsbehörde, die zum Innenministerium gehört, demnach schriftlich mit: „Ihr Antrag auf eine elektronische Reisegenehmigung (ETA) wurde verweigert.“ Justizminister David Lammy warf den Organisatoren der „Unite the Kingdom“-Demo in einem Post auf dem Kurznachrichtendienst X vor, Hass und Spaltung zu verbreiten. Sollte es zu Gewalt kommen, werde man rasch handeln. An den Gerichten stünden dafür zusätzliche Kapazitäten bereit, schrieb er. Bereits im September waren zu einem von Robinson organisierten Protest nach Polizeiangaben rund 150.000 Menschen gekommen. Damals war unter anderem eine Videobotschaft des US-Technologiemilliardärs Elon Musk abgespielt worden. Zudem war es zu Angriffen auf die Polizei gekommen. Gut zwei Dutzend Beamte wurden verletzt. Mit Blick auf die propalästinensische Demonstration hatte die Regierung angekündigt, dass die Polizei Teilnehmer festnehmen würde, sollten diese „Globalisiert die Intifada“ skandieren. Dies ist ein Verweis auf die palästinensischen Aufstände gegen Israel. Viele britische Juden werten den Slogan als Aufstachelung zum Antisemitismus. Einige Demonstranten riefen am Samstag „Tod der IDF“ und meinten damit die israelische Armee. Die rechte Kundgebung fällt in diesem Jahr zusammen mit der propalästinensischen Demo zum Nakba-Tag, an dem an die Vertreibung von Palästinensern infolge der Staatsgründung Israels 1948 erinnert wird. Dazu versammelten sich Teilnehmer im Stadtteil Kensington. Verhindert werden soll, dass die beiden Seiten aufeinandertreffen.